Wie erschaffe ich eine authentische Romanfigur? Teil 1: Namen machen Leute

Ich werde oft gefragt, wie man authentische Figuren in einem Roman entwickelt. Und wie bei so vielen Dingen, gibt es auch hier keine richtige oder falsche Antwort. Es gibt unzählige unterschiedliche Herangehensweise, die zum Ziel führen – oder in diesem Fall zu plastischen, tiefgründigen und vor allem glaubwürdigen Charakteren, welche deine Leser*innen mitfiebern lassen.

 

In der folgenden Beitragsreihe möchte ich dir zeigen, wie ich an die Figurenentwicklung in einem Roman herangehe. Was ich hier beschreibe, ist völlig subjektiv. Sprich: Was für mich funktioniert, muss nicht automatisch auch für dich passen. Probiere es am besten einfach aus und pick dir die Dinge heraus, welche deiner Arbeitsweise am ehesten entsprechen.

 

Ich arbeite gerne mit Charakterbögen und habe mir im Verlauf der Jahre eine eigene Checkliste zusammengestellt, die ich nutze, um Figuren von Grund auf zu erschaffen. Diese Beitragsreihe ist also nicht als Schritt-für-Schritt-Anleitung zu verstehen, sondern vielmehr als vereinzelte Inputs, die dir dabei helfen können, deine Charaktere noch etwas runder zu gestalten.

 

In diesem ersten Teil möchte ich mit den Basics deiner Figur beginnen: ihrem Namen und ihrer Funktion.

 

Der Name deiner Figur

Der Name ist wohl eins der entscheidensten Merkmale deiner Figur. Immerhin begleitet er sie die ganze Geschichte hinweg – und darüber hinaus. Manche Autor*innen machen sich tage- oder sogar wochenlang Gedanken über den Namen ihrer Figur und dessen Bedeutung. Andere (und zu dieser Kategorie würde ich mich persönlich auch zählen) wählen mehr oder weniger zufällig einen Namen aus einem Online-Generator aus, der am besten passt. Was auch immer deine Vorgehensweise ist: Der Name sollte sich für dich richtig anfühlen.

 

Folgende Fragen können dir bei der Namensfindung helfen:

  • Hat der Name deiner Figur eine besondere Bedeutung? Ist das überhaupt relevant für die Geschichte?
  • Hat deine Figur einen Nachnamen? Braucht sie den überhaupt?
  • Hat deine Figur mehrere Vornamen?
  • Hat deine Figur einen Spitznamen, einen Kosenamen oder einen besonderen Titel, mit dem sie angesprochen wird? 

Die Antwort vieler dieser Fragen hängt in erster Linie von deinem Genre ab. In einem Liebesroman ist die tiefere Bedeutung eines Namens nicht ganz so wichtig wie in einer Fantasy-Welt. Dasselbe gilt für den Nachnamen. Nicht immer braucht deine Figur einen Nachnamen. Manchmal ergibt es sogar mehr Sinn, wenn sie keinen hat.

Ein Name kann sehr viel über die Identität und die Hintergrundgeschichte deiner Figur aussagen. Schau dir als Beispiel dafür nur die Namensgebung der Royals an: Meist tragen sie mehrere Vornamen, und jeder der Namen hat für sich eine besondere Bedeutung.

Doch Namen gehen weit über den Vor- und Nachnamen hinaus: Mit Spitznamen und Kosenamen kannst du zudem spielend leicht die Beziehung zwischen zwei Figuren etablieren, ohne sie explizit zu beschreiben (Stichwort: Show Don’t Tell). Oder du gibst deiner Figur einen besonderen Titel, unter dem sie bekannt ist. Niemand kennt den wahren Namen des Doctors aus Dr. Who – aber genau das unterstreicht das Mysterium, das ihn/sie umgibt.

 

Die Funktion deiner Figur

Dieser Punkt ist vermutlich selbsterklärend. Welche Funktion hält deine Figur in deiner Geschichte inne? Ist sie die Hauptfigur, eine Nebenfigur oder der*die Gegenspieler*in? Wird das Buch aus ihrer Perspektive geschrieben? Dieser Punkt ist wichtig, um dir darüber klar zu werden, weshalb deine Figur für die Geschichte wichtig ist. Würde die Handlung auch funktionieren, wenn die Figur fehlt? Falls ja, weshalb ist sie Teil der Geschichte? Was macht sie besonders?

 

Das waren fürs Erste mal die Grundlagen der Charaktererstellung. Im nächsten Teil werden wir uns mit den körperlichen Merkmalen und dem Äußeren deiner Figur befassen.

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